Montag, 13. Juli 2015

[Blogtour] Bettina Kiraly: Gefährliches Herz - Tod von Johannas Mutter


 

Ich habe die Ehre, euch zum zweiten Tag der Blogtour begrüßen zu dürfen. Es geht um Bettina Kiralys Gefährliches Herz.

Hier findet ihr die Links zu den anderen teilnehmenden Blogs! Schaut doch einfach mal vorbei, denn die Themen lohnen sich :)

Tag 1 Haveny vom Bücherhimmel Blog
Tag 3 Nadja vom Bookwormdreamers-Blog
Tag 4 Doro vom Wortwucher-Blog
Tag 5 Corinna von Kleblatts Bücherblog
 
Im Roman spielt der Tod von der Mutter der Protagonistin Johanna eine große Rolle. Denn dieser Tod ist es, der alles ins Rollen bringt und dazu führt, dass Johanna sich ihrer Vergangenheit stellt. 
Das Verhältnis zwischen Johanna und Josepha ist - gelinde gesagt - eher schlecht.
Wie geht Johanna also mit dem Tod um?


Im Folgenden könnt ihr euch erst einmal selber einen Eindruck davon machen, wie Josepha gestorben ist:



"Eine Grille zirpte einsam ihr Lied. Doch ansonsten war an diesem Frühlingsabend kein Geräusch zu hören, als Josepha die Landstraße entlangfuhr. Langsam kroch die Dunkelheit von den Feldern und Wiesen auf Josepha zu. Sie ärgerte sich, das Fahrradlicht nicht repariert zu haben, bevor sie zu diesen Ausflug aufgebrochen war. Aber da die Lampe regelmäßig demoliert wurde, sah sie inzwischen keinen Sinn mehr in der Investition. Nun war eine Attrappe vorne montiert, damit sie von der Polizei nicht angehalten wurde.

Sie hörte ein Auto, das sich mit überhöhter Geschwindigkeit in ihrem Rücken näherte. Obwohl sie ganz an den Randstreifen fuhr, brachte der Luftzug des vorbeirauschenden Wagens sie zum Schwanken.

Josepha fluchte leise vor sich hin. Weshalb hatte sie Susanna nicht geglaubt, dass es sich bei einer Radtour um diese Uhrzeit um eine schlechte Idee handelte? Noch fünf Kilometer, bis sie die Ortsgrenze erreichte. Trotz schwerer Beine strampelte sie tapfer weiter.

Sie hatte sich über Susannas Kommentare vor ihrem Aufbruch geärgert. Sonst würde sie jetzt zu Hause sitzen. Aber die Frau, die nicht nur Josephas Notarin war, forderte immer wieder von ihr, dass sie über ihren Schatten sprang. Kontakt mit ihrer Tochter. Josepha sehnte sich nach einer Aussprache. Die war allerdings nicht so einfach möglich.

Ein Auto kam ihr entgegen. Der Fahrer hupte, anscheinend von ihrem Herumgewackel im Dunkeln überrascht. Josepha war zu müde, um zu schimpfen. Bei den Festen, die heute in der Umgebung stattfanden, wurde wieder mal zu viel getrunken. Und dann glaubten diese angeheiterten Verrückten irrtümlich, sie wären noch zu vernünftiger Fahrweise fähig. Nicht dass Josepha nicht verstand, wie man Spaß am Alkohol haben konnte.

In ihrem Magen bildete sich aus einem anderen Grund ein Knoten. Sie bereute, dass sie einfach losgeradelt war, ohne richtig über ihre Entscheidung nachzudenken. Wenigstens war sie bald daheim.

Ungefähr zwei Kilometer weiter hörte sie ein Auto von hinten näherkommen. Josepha lenkte ihr Rad an den Randstreifen. Dabei rumpelte sie über einen Stein und musste mit einem Fuß auf dem Boden das Gleichgewicht halten. Der Fahrer schien das Tempo zu reduzieren.

Sie wandte sich um und hielt eine Hand schützend über ihre Augen, als sie das Licht des Wagens blendete.

Das Auto beschleunigte wieder. Irritiert bemerkte Josepha, dass er nicht Richtung Mittelstreifen lenkte sondern direkt auf sie zuraste. War der Fahrer blind? Sie hob beide Hände und winkte ihm zu.

Er ignorierte ihre Warnungen und stieg stattdessen weiter aufs Gas. Josepha rief ihm aufgeregt zu.

Und dann hob sie mit dem Fahrrad vom Boden ab.

Sie schrie auf, als der Schmerz durch ihren Körper raste. Der Aufprall war hart. Die Luft wurde aus ihren Lungen gepresst, und sie war nicht in der Lage durchzuatmen. Irgendetwas war in ihrem Körper kaputt gegangen. Irgendetwas, das nicht so leicht repariert werden konnte.

Der Wagen war aus ihrer Sicht verschwunden. Warum half der Mistkerl ihr nicht? Weshalb hatte er sie angefahren? Hatte er sie nur verletzen oder gleich töten wollen?

Als sie versuchte, sich aufzurichten, schoss der Schmerz durch ihren Brustkorb. Sie versuchte die Beine zu bewegen, um sich ins Dorf schleppen zu können. Neuerlich ein Schmerzensschrei. Ihre Beine schienen gebrochen. Nein, nicht ein Bein. Beide Beine. Sie war auf Hilfe angewiesen.

Der Aufprall hatte sie in den Graben geschleudert. Sie wollte sich mit den Händen zur Fahrbahn hochziehen, doch die Bewegung verstärkte den Druck, den sie in ihrem Brustkorb spürte. Sie rief nach Hilfe, doch dazu hätte ein Spaziergänger vorbeikommen müssen. Wie sollte man sie hier unten bemerken?

In der nächsten Dreiviertelstunde hörte sie ohnehin kein Auto. Hätte sie bloß ihr Handy mitgenommen! Langsam kroch ihr die Angst unter die Haut. Es war auffällig ruhig. In den weiteren Minuten hatte sie ein Eindruck als würden die Geräusche der Natur rundherum noch leiser werden.

Und dann wurde ihr klar, woran das lag. Sie fühlte sich schrecklich müde. Ihre Augen fielen ihr bereits immer wieder sekundenlang zu. Doch aus diesem Schlaf würde sie nicht mehr erwachen. Für Hilfe war es zu spät. Das hier war das Ende.

Ein letztes Mal analysierte sie ihre Situation. Sie schien Blut aus einer inneren Wunde zu verlieren. Sie verblutete langsam und würde bald das Bewusstsein verlieren. Wenigstens waren die Schmerzen weniger geworden. Josepha war kein herzensguter Mensch gewesen. Dafür hatte sie zu viel falsch gemacht. Doch das hier hatte sie nicht verdient!

Panik ließ ihr Herz schneller schlagen, aber dadurch nahm der Schwindel nur zu. Zu spät. Aber sie war noch nicht so weit. So viel versäumtes Glück, so viel vergeudete Zeit, so viele unausgesprochene Worte! So viel, was sie bereute! Sie hatte so viel wiedergutzumachen. Wenn ihr nur noch ein paar Tage geschenkt wären, sie würde versuchen, einige Dinge zu korrigieren.

Zu spät. Tränen liefen über ihre Wangen. Ein einziger Gedanke tröstete sie.

Susanna wusste, was zu tun war. Josephas Freundin hatte alle nötigen Unterlagen. Sie konnte Johanna am Grab mitteilen, was sie wissen musste. Langsam breitete sich Frieden in Josephas Innerem aus. Mit gutem Gewissen durfte sie endgültig die Augen schließen." (Bettina Kiraly)


Von der Autorin gelesen, könnt ihr noch etwas mehr darüber erfahren, wie Johanna das Begräbnis erfahren hat.


Wie schon erwähnt, ist Josephas Tod Dreh- und Angelpunkt des Romans. Ohne ihn würde Johanna immer noch in Wien hocken und dort ihr Leben leben. Sie wäre nie auf das Familiengeheimnis gestoßen und hätte nie ihren Frieden mit ihrer Mutter schließen können. Auch wenn das Verhältnis zwischen den beiden mehr als gestört war, konnte Johanna sie doch nicht so einfach gehen lassen. Schließlich ist Josepha immer noch ihre Mutter. Johanna stellt sich also ihren inneren Dämonen, auch wenn sich alles in ihr dagegen sträubt. Sie bleibt ihrer Mutter treu und kann am Ende - hoffentlich - positiv auf ihre Beziehung zurückblicken, denn irgendwann wird klar, warum Johannas Kindheit so schlimm gewesen ist.


Ich hoffe, die kleinen Ausschnitte sowie meine Erklärungen haben schon dazu ausgereicht, euch den Roman ein wenig schmackhaft zu machen. Wenn nicht, dann findet ihr im Folgenden noch ein paar Fragen und Antworten. Außerdem könnt ihr meine ausführliche Meinung auch gerne in meiner Rezension nachlesen.



Was gefiel dir am Buch besonders?
Mir gefiel ganz besonders der bunte Genremix. Das Cover lässt an einen Krimi denken, doch wenn man die ersten Seiten gelesen hat, merkt man ganz schnell, dass dies dem Roman niemals gerecht werden würde. Er enthält so viel - Liebe, eine Familientragödie, ein Geheimnis und sehr viel Drama. So wurde ich das ein oder andere Mal kalt erwischt, weil ich meine Erwartungen nicht großartig lenken konnte.

Was nicht?
Das große Finale fand ich leicht konstruiert und deswegen ein bisschen vorhersehbar. Allerdings war das nicht soooo störend, dass das gesamte Ende versaut wurde - auf keinen Fall!
 
Wie würdest du die Hauptpersonen - in ein zwei Sätzen - beschreiben?
Johannas Vergangenheit hat Spuren auf ihrer Seele hinterlassen, die sie so gemacht haben, wie sie jetzt ist. Sie hat Schwierigkeiten, Menschen zu vertrauen, und muss erst daran arbeiten, ihr Herz wieder zu öffnen.

Was ist für dich die Aussage hinter dem Buch?
Für mich sagt das Buch ganz klar, dass es sich immer lohnt, alte Streits noch einmal aufzurollen und zu versuchen, sich damit zu beschäftigen. Oft geht man erhitzt aus einem Streit heraus und bereut hinterher eigentlich, was man gesagt hat. Aber wer macht dann den ersten Schritt? Wer springt zuerst über seinen Schatten?

Wie würdest du den Schreibstil beschreiben?
Der Schreibstil hat mir ziemlich gut gefallen. Die spannenden Stellen wurden überaus spannend geschrieben, es gab aber auch einfühlsame und dramatische Stellen, die einfach immer ziemlich atmosphärisch waren und gut gepasst haben. 

Gewinnspiel!

Um noch bei unserem Gewinnspiel mitzumachen und euch Chancen auf einen Preis zu sichern, hinterlasst doch bitte einen Kommentar mit einem Feedback zu unserer Blogtour unter einem der Posts der teilnehmenden Blogs! Danke!

Und das sind die Gewinne:



 

Kommentare:

  1. Einen Streit beizulegen ist nicht immer so ganz einfach.
    Manchmal muss man einfach nur über seinen eigenen Schatten springen, manchmal ist es aber richtig schwer den 1. Schritt zu machen, weil man gar nicht derjenige ist, der sich entschuldigen müsste.

    Aber manchmal hat man eben auch keine Zeit mehr einen Streit beizulegen ....... weil das Leben andere Wege geht.

    Liebe Grüße
    Babsi

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  2. Hallo ,

    Toller und interessanter Beitrag . Vielen Dank .
    Ich finde es ist sehr schwer wenn man durch Streit viels kaputt macht
    und oft kann man nicht wieder gut machen oder ruckgängig machen .
    Ich wünsche Dir schönen Tag :)

    Liebe Grüße Margareta
    margareta.gebhardt@gmx.de

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  3. Hallo und guten Tag,
    l
    hm, eine sehr schwierige Sache einen alten Streit möglicherweise nochmal neu aufrollen zu wollen, besonders wenn es in und um die Familie geht!!

    Da braucht es viel Fingerspitzengefühl, aber mit jemanden im Dauerstreit zu leben...ist jetzt auch keine tolle Vorstellung oder?

    Sehr schwierig..LG..Karin...

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  4. Hallo und vielen Dank für die tolle Blogtour und die schöne Verlosung! Eure Blogtour gefällt mir sehr gut. Die Beiträge finde ich bisher alle sehr interessant und sie wecken mein Interesse für das Buch. Auch Dein ehrliches Feedback zum Buch finde ich sehr gelungen.

    Viele liebe Grüße
    Katja

    kavo0003@web.de

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  5. Hallo,

    die Blogtour gefällt mir super und ich bin auf jeden weiteren Beitrag gespannt :)

    LG
    SaBine

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  6. Hi, also es hört sich für mich sehr interessant an und ich bin echt schon gespannt wie es weiter geht. Lg Ricarda
    rzoellmann90@gmail.com

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