Montag, 18. Mai 2015

Stephen King: Joyland

randomhouse.de

Um sich sein Studium zu finanzieren, arbeitet Devin Jones während der Semesterferien im Vergnügungspark Joyland an der Küste von North Carolina. Drei Dinge sind es, die ihn im Laufe des Sommers 1973 vor allem beschäftigen: Seine große Liebe Wendy gibt ihm per Brief den Laufpass. In der Geisterbahn Horror House soll es spuken, nachdem dort ein Mädchen ermordet wurde. Und er fragt sich, welches Geheimnis sich wohl hinter der schönen jungen Frau mit ihrem behinderten Sohn verbirgt, an deren Strandvilla er jeden Tag vorbeikommt. Vom unbekümmerten Schaustellerleben in Joyland fasziniert, verlängert Devin seinen Aufenthalt. Mit seinen neugierigen Nachforschungen tritt er jedoch eine Lawine von Ereignissen los, bei denen es schließlich um Tod oder Leben geht ...


Devin Jones ist 21 Jahre alt und schwer in Wendy verliebt. Doch sie scheint es nicht ernst mit ihm zu meinen, und er wird ins Joyland getrieben, den Freizeitpark, in dem vor Jahren ein Mädchen gestorben ist. Angeblich soll ihr Geist in der Geisterbahn hausen und regelmäßig die Besucher erschrecken. Für Devin ist der Sommer im Joyland nicht nur eine Suche nach dem Mörder von Linda, sondern auch eine Suche nach sich selbst. Ganz alleine in North California lernt er sich ganz anders kennen und kämpft sich aus seinem Selbstmitleid heraus. Wird seine Zeit im Joyland letztendlich eine glückliche werden?

"Und es war Devin Jones' Jahr. Ich war einundzwanzig, Jungfrau und hatte literarische Ambitionen. Ich besaß drei Paar Bluejeans, vier Paar Unterhosen und einen heruntergekommenen Ford (mit einem einwandfreien Radio), dachte hin und wieder über Selbstmord nach und hatte ein gebrochenes Herz.
Toll, was?" (Stephen King: Joyland. S. 9)

Stephen King ist bekannt als Meister der Horrors, doch wer Joyland liest, wird schon bald merken, dass das Buch so gar nicht horrormäßig ist.
Ich liebe, liebe, liebe es, wenn King nicht nur puren Horror schreibt. Es gibt häufiger Liebesromanexkurse in Büchern wie Love oder Dead Zone, und ich habe mir sagen lassen, dass auch einige seiner Kurzgeschichten in anderen Genres beheimatet sind. King braucht keine blutigen Szenen oder gruselige Monster, um ein gutes Buch zu schreiben. Das hat er mit Joyland eindeutig bewiesen.

Die Geschichte wird aus der Ich-Perspektive von Devin erzählt. Er erzählt heute rückblickend auf das Jahr 1973. Oftmals greift er also Ereignisse vor oder reflektiert, was er damals gedacht hat. Ich fand diese Technik sehr angenehm zu lesen, und außerdem machte es manche Passagen sehr spannend. Der Erzähler wusste mehr als wir, und der Leser wurde längere Zeit im Dunkeln gelassen.

Der Erzählstil ist nicht ganz kingtypisch, schließlich hat das Buch nur 350 Seiten :D, aber es war sehr angenehm zu lesen, daher kann ich mir gut vorstellen, dass es gut für King-Jungfrauen geeignet ist. Romane wie Es können durch die unglaubliche Länge und die sehr ausführliche Exposition schon ein bisschen abschreckend wirken.

"Geschichte ist die kollektive Kacke unserer Vorfahren, der gesamten Menschheit - ein riesiger Scheißehaufen, der mit jedem Tag größer wird. Im Moment stehen wir noch obendrauf, aber ziemlich bald werden wir unter dem Dünnpfiff nachfolgender Generationen begraben. Deshalb sehen die Klamotten eurer Eltern auf alten Fotografien auch so komisch aus, um nur ein Beispiel zu nennen. Denkt dran - auch ihr werdet bald unter der Scheiße eurer Kinder und Enkel begraben sein." (Stephen King: Joyland. S. 72f.)

Die Suche nach Lindas Mörder steht keineswegs im Mittelpunkt der Handlung. Zwar interessiert sich Devin für ihr Schicksal und kommt am Ende auch auf eine heiße Spur, jedoch geht es in diesem Roman um viel mehr.
Als Devin im Joyland anfängt, ist er eine gebrochene Person. Seine verkorkste Beziehung mit Wendy hat steht kurz vor dem Ende, und Devin braucht einfach etwas Abwechslung, um dem drögen Alltag zu entfliehen. Dabei hilft das Joyland, aber vor allem auch Annie und ihr Sohn Mike. Devin merkt direkt, dass die beiden anders sind. Mike hat das zweite Gesicht - manchmal sieht er Dinge, ehe sie passieren, oder kann punktuell Gedanken lesen. Außerdem ist er todkrank, sodass seine Mutter Annie ihn beschützt mit allem, was sie bieten kann. Devin fühlt sich zu ihnen hingezogen und schleicht sich ganz langsam in ihr Herz, wie auch sie es bei ihm tun.

Neben Devin Jones sind auch die anderen Charaktere gut ausgearbeitet. Ihre verschiedenen Handlungen und Macken unterscheiden sie von anderen Figuren, sodasss man selbst von den marginalsten Nebenfiguren noch ein gutes Bild erhält. Stephen King vermag es einfach, ihnen auch mit wenigen Worten einen tieferen Sinn zu geben und Leben einzuhauchen.

Am Ende bleibt mir also nur zu sagen: Kauft es! 
Stephen King ist mit Joyland wieder einmal ein unglaublich gutes Buch gelungen, und ich denke, dass sich vor allem King-Neulinge daran erfreuen können!






Kommentare:

  1. Hallo!

    Ich habe während des Lesens die ganze Zeit genickt. Auch wenn es kein Horror-King ist, ist es ein richtig gutes Buch. Kann dir in allen Punkten nur zustimmen.

    Liebe Grüße,
    Nicole

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  2. Hallo,

    okay, das klingt wirklich sehr interessant und nicht zu gruselig. :) Ich werde es mal auf meine Wunschliste packen.
    Tolle Rezi!

    Liebe Grüße,
    Anna

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  3. Das hört sich interessant an. Ich glaube ich habe ein weiteres Buch für meine Leseliste gefunden.

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  4. Aaaah dieses Buch liegt nun schon hier, seit es als Taschenbuch erschienen ist... ich komme einfach nicht dazu es zu lesen, irgendwie hat irgendein anderes Buch bisher immer den Vorrang bekommen... aber nun machst du mich doch wieder sehr neugierig drauf ;)

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