Sonntag, 26. April 2015

Kai Meyer: Die Seiten der Welt

Quelle: fischerverlage.de

Jedes Buch hat geheime Seiten.
"Während sie die Stufen zur Bibliothek hinablief, konnte Furia die Geschichten schon riechen: den besten Geruch der Welt."
Furia Salamandra Faerfax lebt in einer Welt der Bücher. Der Landsitz ihrer Ahnen birgt eine unendliche Bibliothek. In ihren Tiefen ist Furia auf der Suche nach einem ganz besonderen Buch: ihrem Seelenbuch. Mit ihm will sie die Magie der Worte entfesseln. Noch weiß sie nicht, in welch tödlicher Gefahr sie schwebt. Denn Furias Familie wird von mächtigen Feinden bedroht - und die trachten auch ihr nach dem Leben. Der Kampf gegen die Herrscher der Bibliomantik und die Entschreibung aller Bücher beginnt ...


Furia lebt in einer Familie von Bibliomanten, Menschen, die sich die Macht von Büchern zu eigen machen können. Doch noch kann sie ihre Kraft nicht voll entfalten, denn sie hat noch nicht ihr Seelenbuch gefunden. Dabei könnte sie es jetzt ganz dringend gebrauchen, denn die Adamitische Akademie ist auf der Jagd nach ihr und ihrer Familie, um die letzten Überreste der Rosenkreutz-Familie auszulöschen. Um diejenigen, die sie liebt, zu retten, dringt Furia tief in die Welt der Bücher ein und lernt dort viele neue Freunde kennen, aber dabei bleibt immer die Frage bestehen: Wem kann sie wirklich vertrauen?

Ein Buch über Bücher? Ein Buch, in dem Bücher Menschen besondere Kräfte verleihen können? Ein Liebesgedicht an die Literatur? Jep, das alles finden wir in diesem Buch.

Kai Meyer entführt uns in eine Welt der Magie und der Bücher. Die Buchwelt ist in die normale Welt eingegliedert. Nur wenige wissen um die Macht von Büchern und beschützen diese. Um sich vor der normalen Welt versteckt zu halten, gibt es sogenannte Refugien, Orte, zu denen Menschen nur mithilfe einer Genehmigung oder einer Einladung Zugang haben. Ein schönes Extra war, dass in dem Buch ein Lesezeichen versteckt war, welches gleichzeitig Eintrittskarte für Libropolis ist, dem Refugium, das sich direkt in London befindet.

Die Protagonistin Furia ist keine typische Heldin. Ihre Taten sind dadurch motiviert, ihren kleinen Bruder zu retten, und dafür tut sie alles. Auch wenn ihr irgendwann klar wird, dass das Weiterbestehen der Welt von ihren Entscheidungen abhängen könnte, hält sie immer noch zu ihrem Bruder Pip. Oft habe ich mich so über sie gewundert, weil sie nicht das Wohl von Allen über ihr eigenes gestellt hat. Ihr war egal, ob die Buchwelt den Bach runtergeht, solange Pip wohlauf ist. Das fand ich ungewohnt, aber auch sehr cool, weil Furia so einfach viel echter wirkte und sich nicht durch einen scheinbar angeborenen Heroismus auszeichnete.

Auch die anderen Figuren fand ich gut ausgearbeitet. Besonders toll war, dass viele von ihnen nicht das waren, was man am Anfang von ihnen dachte. Man wurde hin und wieder überrascht und musste seine Meinung über bestimmte Figuren noch einmal revidieren.

Wie es sich für einen Fantasyroman gehört, gab es auch viele fantastische Wesen, wovon die Exlibri meine liebsten waren. Dabei handelt es sich um Figuren aus Büchern, die es geschafft haben, in die Realität einzutreten. Im Gegensatz zu mir, die davon total begeistert ist, sind die Exlibri aber unerwünscht und müssen in Ghettos isoliert von den anderen leben. Da es sich bei den Exlibri um Gestalten aus Büchern handelt, traf man auf das ein oder andere Gesicht. Mein Liebling war natürlich Puck aus A Midsummer Night's Dream von Shakespeare. Bei ihm handelt es sich um ein übernatürliches Wesen, dass Unruhe stiftet, wo es nicht kann. Der Vorlage wird Puck auch hier gerecht. 

Die Handlung ist größtenteils sehr rasant. Eine Actionszene jagt die nächste, und ich würde mir unglaublich gerne eine gelungene Verfilmung des Buches wünschen. Zwischendurch gibt es aber natürlich genug Ruhephasen, in denen die Leser sowie die Figuren Atem schöpfen können und die Geschehnisse erklärt werden. Vereinzelt gab es Passagen, die etwas lang geraten sind, jedoch wiederum nicht so lang, dass ich mich gelangweilt habe. Manche Abschnitte hätte ich mit ein paar Sätzen weniger als knackiger empfunden.

Bei Die Seiten der Welt handelt es sich ja um den ersten Band einer Trilogie. Sehr gut hat mir aber gefallen, dass das Buch nicht mit einem unerträglichen Cliffhanger geendet hat. Der erste Teil ist somit in sich komplett abgeschlossen und könnte auch als Einzelband gelesen werden. Ich persönlich habe aber noch lange nicht genug von Furia, Libropolis usw. und freue mich daher, dass der zweite Teil, Die Seiten der Welt 2, schon ganz bald erscheinen wird, nämlich im Juni dieses Jahres.

Zusammenfassend, also, bin ich schwer begeistert von dem Buch. Wer gerne Walter Moers und Tintenherz gelesen hat, wird auch dieses Buch mögen, dass voller Magie, Spannung und coolen Charakteren steckt.

Kommentare:

  1. Aufgrund des Endes hatte ich ja gedacht, dass es ein Einzelband ist. Teilweise freue ich mich über die Fortsetzung und zum Teil ärgert es mich auch. Nichtsdestotrotz ist Kai Meyer ein toller Schriftsteller!

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  2. Hi,
    ich bin ja schon an das Wissen herangegangen, dass es eine Fortsetzung geben wird, und ich denke, dass Kai Meyer noch so einige fantastische Dinge aus seinem Hut zaubern wird, um uns die Buchwelt noch näher zu bringen. Deswegen freue ich mich, dass es nicht nur ein Einzelband ist :)

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  3. Hallo!

    Ich habe noch gar nichts von Kai Mayer gelesen, aber dieses Buch habe ich auf der WL. Hier sind die Meinungen ja sehr gespalten, da möchte ich mir selbst ein Bild machen. Auf jeden Fall ist es dank deiner Rezi ein Stück nach oben gerutscht.

    Liebe Grüße,
    Nicole

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    1. Hallo,
      also Kai Meyer hat so einige tolle Bücher gelesen. Selbst wenn dir "Die Seiten der Welt" inhaltlich nicht so ganz zusagen sollten, hat er immer noch genug anderes geschrieben. Ich habe mit 13 mit der Wellenläufer-Trilogie angefangen, welche superviel Spaß gemacht hat!

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