Sonntag, 29. März 2015

Aldous Huxely: Brave New World

Quelle: reclam.de


"All things considered, it looks as though Utopia were far closer to us than anyone, only fifteen years ago, could have imagined. Then, I projected it six hundred years into the future. To-day it seems quite possible that the horror may be upon us within a single century." Aldous Huxley (1946)


Im Weltstaat der schönen neuen Welt sind alle Menschen glücklich. Tiefere Gefühle und alles, was diese auslösen könnte, gibt es nichts mehr. Sollten die Menschen einmal unglücklich werden, nehmen sie sofort die Staatsdroge Soma, welche wie Bonbons verteilt wird und den Menschen betäubt. Menschen müssen nicht mehr gezeugt und geboren werden, sondern werden mittels künstlicher Befruchtung und Klonen geschaffen. Schon als Embryo wird für sie bestimmt, was sie im späteren Leben sein werden - ein gutaussehender Alpha Plus, der an der Spitze der Gesellschaft steht, oder ein Epsilon, das niedere Arbeiten verrichten muss und absolut unansprechend aussieht. Alles könnte so schön sein, wenn da nicht Bernard Marx wäre, ein Alpha Plus, der nicht so ganz in die Schemata des Weltstaates hineinpasst.

Brave New World habe ich vor ein paar Jahren im Englisch-LK lesen müssen. Damals hat es mir nicht so gut gefallen, weswegen ich mich jetzt noch einmal herangewagt habe.
Im Vergleich zu anderen Dystopien des 20. Jahrhundert (z.B. 1984, Fahrenheit 451) ist Brave New World nicht unbedingt die schwächste, aber doch diejenige, die mir am wenigsten gefällt. Das Spannende an dieser Beobachtung ist, dass dies wahrscheinlich sogar ein Stück weit gewollt ist.

Die Figuren in Brave New World sind allesamt flat characters. Von Seite 1 bis zum Ende machen sie keinerlei Wandlung durch und wenn doch, dann verschwindend gering oder so, dass der Leser niemals den Ausgang wissen wird.
Bernard Marx steht eigentlich an der Spitze der Gesellschaft. Sein Äußeres verrät aber, dass bei der Entwicklung seines Embyros etwas schiefgelaufen sein muss, denn er sieht eher aus wie ein Gamma denn ein Alpha. Bernard ist ein Einzelgänger, der nur wenig Gefallen an den Freizeitaktivitäten und Gruppentreffs findet. Auch hat er etwas gegen die Promiskuität, die im Weltstaat vor der Monogamie steht. Wenn er den Wilden John mit in den Weltstaat nimmt, findet er endlich Anschluss und scheint sich eine Zeit lang wohlzufühlen. Er suhlt sich im Ruhm und steht, als dieser Moment ganz plötzlich vorbei ist, wieder ganz alleine da.
John der Wilde ist in einem Reservat aufgewachsen, in welchem Kinder geboren werden und es Religion gibt . Dementsprechend fehl am Platze fühlt sich John, als Bernard ihn mit in die "Zivilisation" nimmt. Er hat sein Leben lang Shakespeare gelesen und weiß sich nur, mit seinen Worten auszudrücken. Damit verwirrt er durchgängig die anderen Bewohner, die nichts mit tiefen Gefühlen anzufangen wissen.
Vor allem diese beiden Figuren sind es, die deutlich machen, was alles verkehrt am Weltstaat ist. Die Bewohner der Brave New World sind so konditioniert, dass sie mit ihrem Leben zufrieden sind - und warum auch nicht? Sie können ja gar nicht anders, als so zu denken, wie sie denken, schließlich wurden sie schon als Kleinkinder mittels Hypnopaedia gesteuert, nur das zu denken, was auch der Weltstaat wünscht. Es gibt keine Probleme, keinen Schmerz in der Welt, kein Leid, keine Krankheiten. Doch die beiden Außenseiter zeigen auf, dass nicht alles, was glänzt, Gold ist.

Beim Lesen hatte ich ein großes Problem mit der Handlungsstruktur. Für mich ist der Höhepunkt Bernards Besuch im Reservat und das anschließende Mitnehmen von John in die Zivilisation. Danach würde ich natürlich ein paar pikante Passagen erwarten, in denen John zeigt, wie schlecht er sich in die Gesellschaft eingliedert, doch dann sollte der Roman auch bald mal sein Ende finden. In der Realität ist es aber so, dass der Besuch im Reservat ungefähr in der Mitte stattfindet und danach noch ein ganzes Stück kommt. Deswegen finde ich, dass sich die zweite Hälfte immer unglaublich zieht. Es gibt keinen Blick darauf, wie das Buch enden könnte, und deswegen schleppt es sich unglaublich.

Brave New World ist 1932 veröffentlich worden und zeigt eine Welt, die vom Kapitalismus beherrscht wird und in der der Mensch psychisch manipulierbar geworden ist. Bei Dystopien ist es natürlich immer spannend, inwiefern sie sich in der Zeit bewahrheiten/bewahrheitet haben. Schon 1958 hat Huxley einen Essay namens Brave New World Revisited verfasst, in dem er darauf eingeht, was sich in den 26 Jahren geändert hat.
Heute wissen wir, dass der Kapitalismus so stark wie nie zuvor ist, und auch psychische Manipulation ist kein Albtraum, sondern finstere Realität.Wir können nur hoffen, dass diese Dystopie sowie alle anderen, die es auf dem Markt gibt, nicht zur blutigen Realtität werden.

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