Freitag, 6. Februar 2015

Jannis Riebschläger: Sud. Eine Abenteuerreise nach Süden

Quelle: amazon.de


„Was glaubst du?“
„Hmm?“
„Was glaubst du, wie lange wir hier stehen werden?“
Ich überlege kurz. Mit dem Trampen habe ich, genau wie Wibke, noch keine Erfahrung. Gut, ich bin schon das ein oder andere mal nach Hause getrampt, aber gegen das, was wir jetzt vorhaben, ist das nicht der Rede wert.
Von meiner Heimatstadt Leverkusen aus, wollen wir rund 600 Kilometer nach München trampen. Von dort soll es über Kempten weiter nach Oberstdorf, direkt an den Rand der Alpen gehen, die wir zu Fuß überqueren wollen. In Meran wird Wibke den Zug zurück nehmen, da sie noch ein Segeltörn in Schweden erwartet. Für mich geht es von Stadt zu Stadt weitere 1000 Kilometer per Anhalter Richtung Süden, bis nach Bari, auf dem Absatz des italienischen Stiefels, wo ich meine Freunde vom Schüleraustausch Anfang des Jahres besuche.
Dass wir als Schüler knapp bei Kasse sind, sehen wir als Herausforderung, nicht als Hindernis. Ich habe mir 500 € für 6 Wochen als Limit gesetzt, Wibke 300 € für zwei Wochen plus Rückfahrt. Auf geht’s!

In diesem Buch nehme ich dich mit auf meine abenteuerliche Reise in den Süden.
Beim Trampen bin ich in mehr als 50 Fahrzeugen mitgefahren, wurde beim Zelten mehr als einmal von Stieren geweckt, am Strand von Rimini ausgeraubt, ich bin 300 Kilometer über die Alpen gewandert, im Gletscher eingebrochen... ob ich wohl tatsächlich bei meinen Freunden in Bari angekommen bin? 





In diesem Reisebericht erzählt Jannis, wie er zuerst mit Wibke, dann alleine von Leverkusen bis nach Bari in Süditalien reist. Die Strecke legen die beiden größtenteils zu Fuß, oder indem sie trampen, zurück. Klar ist, dass sie dabei ein Abenteuer nach dem anderen erleben.

Direkt auf den ersten Seiten hat mich das Fernweh gepackt. Die Beschreibung der Reise, der Natur, der Kultur und der Menschen macht Lust, selber seine Tasche zu packen und sich auf den Weg in die Ferne zu machen.
Vor allem die Naturbeschreibungen haben es mir sehr angetan. Sie waren so detailliert und gleichzeitig verträumt, dass ich mir die Szenerien unglaublich gut vorstellen konnte. Gleichzeitig begreift man aber, dass keine Beschreibung der Welt an die Realität herankommen konnte.
Neben der Natur wurden auch die verschiedenen Lebensarten gut geschildert. Man merkt ganz genau, wann der Erzähler in Italien angekommen ist, weil dort die Menschen ganz anders ticken als hier.

Da es sich um einen Tatsachenbericht handelt, ist es klar, dass nicht alles gleich spannend sein kann. Wenn an einem Tag nichts Spannendes passiert ist, dann ist halt nichts passiert. Trotzdem wirkten für mich manche Kapitel oder Passagen wie bloße Schilderungen des Tagesablaufs, ohne Höhen und Tiefen. Da hätte ich mir zwischendurch ein paar Anekdoten oder gedankliche Abschweifungen gewünscht, um Teile aufzulockern. So aber sind manche Passagen unglaublich spannend oder skurril und witzig, andere jedoch ziemlich dröge.

Auch wenn der Fokus auf der Reise liegt und auch liegen sollte, hätte ich mir außerdem gewünscht, manche Figuren besser kennenzulernen. Vor allem Wibke, die bis zur Hälfte ca. mit dabei ist, bleibt sehr, sehr blass. Bis auf ihren Namen und die Tatsache, dass sie nicht die gesamte Reise mitmacht, weiß man so ziemlich gar nichts über sie. Da hätte ich mir etwas mehr gewünscht, um den Bericht noch lebhafter zu gestalten.

Wer es dieses Jahr nicht schafft, selber in den Urlaub zu fahren, dem sei dieses Buch wärmstens empfohlen. Es weckt die Lust nach Abenteuern und reisen und verströmt dabei sein ganz eigenes Flair.

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