Freitag, 26. September 2014

[Film] Verblendung, Verdammnis, Vergebung (Millenniumtrilogie, 2009)

Nachdem ich mich der Buchreihe von Stieg Larsson gewidmet habe, habe ich mich auch gleich der schwedischen Verfilmung angenommen. Bevor ich die Filme im einzelnen mit den Buchvorlagen vergleiche, werde ich die schwedische und die amerikanische Verfilmung von Verblendung gegenüberstellen.
Eine detaillierte Rezension der amerikanischen Verfilmung findet ihr hier.




Achtung, dieser Beitrag ist quasi ein einziger Spoiler!!!


Verblendung: Schwedisch vs. Amerikanisch

Trailer Schwedisch
Trailer Amerikanisch

Gleich vorab, mir hat die amerikanische Fassung besser gefallen.
Zuerst einmal bin ich ein Fan von Regisseur David Fincher. Schon Sieben und Fight Club konnten mich begeistern. Mir gefällt seine Art, zu erzählen, und die Atmosphäre, die er erzeugt. Davon abgesehen hatte ich das Gefühl, dass seine Version vollständiger war. Zum einen enthält der Film alle Facetten des Kriminalfalls, zum anderen wird aber sehr viel Zwischenmenschliches deutlich. So wird in den schwedischen Filmen nie erwähnt, dass Mikael mal verheiratet war und er sogar eine Tochter hat, die ihn in Verblendung besucht und sogar einen entscheidenen Tipp liefert. Natürlich könnte man sagen, dass Ex-Frau und Tochter nicht die wichtigsten Personen sind und so ruhig weggelassen werden können, die amerikanische Fassung hat es aber geschafft, sie unterzubringen und so die Figur von Mikael Blomkvist runder zu machen. Da die Affäre mit Erika Berger erst im zweiten schwedischen Film kurz angerissen wird, fehlt auch das im ersten, sodass von der Figur Mikael nicht mehr viel übrig bleibt. Ich habe einfach nicht das Gefühl, die Figur des Mikael im schwedischen Film wirklich zu verstehen. Zum Beispiel wird durch die noch nicht vorhandene Affäre mit Erika sowie das fehlende Techtelmechtel mit Cecilia nicht deutlich, dass er ein chronischer Junggeselle ist.
Dann hat die schwedische Fassung das Ende stark abgekürzt. Ein paar Szenen werden gegenüber dem Buch nach vorne bzw. hinten verschoben und der Teil mit der Wennerström-Affäre bleibt relativ offen. Finde ich schade, weil dadurch der erste Band so richtig schön abgerundet wird. Auch finde ich Lisbeths völliges Verschwinden gegenüber ihrem Verhalten im Buch + in Finchers Film nicht sehr geglückt. Indem das Verhältnis zwischen ihr und Mikael erstens über Hedestad hinaus geht und sie ihn zweitens wirklich lieb zu gewinnen scheint, ihn dann aber zusammen mit Erika sieht, sagt einiges über ihren eigenen Charakter aus und darüber, warum sie sich in den Folgebänden so vehement weigert, sich von Mikael helfen zu lassen. Im schwedischen Film verschwindet sie einfach und hat wahrscheinlich nur ihre A-Sozialität als Grund, warum sie keinen Kontakt mehr mit Mikael hat.
Auch hat mir in der schwedischen Fassung ein bisschen die Spannung gefehlt. Ein großes Plus war dafür die Musik! Ich fand außerdem ganz cool, dass es schon ein paar Vorausdeutungen auf All Das Böse gab, sodass der Zuschauer neugierig auf den zweiten Teil wird.


Verdammnis



Am Buch fand ich mit am Spannendsten die Zeitungsartikel, die Lisbeth als Satanistin etc. darstellen. Darauf stützt sich schließlich im dritten Buch auch zum Teil die Anklage, wenn Lisbeth als Opfer sowohl des Staates als auch der Medien dargestellt wird. Das und auch die Hetze Hans Fastes, der Lisbeth bei der Polizei diffamiert und Gerüchte in die Welt streut, fehlen im Film völlig. Zwar gibt es einen Hans Faste, er wird jetzt aber nicht als besonders feindselig Lisbeth gegenüber dargestellt.
Filmisch hat mir der zweite Teil auf jeden Fall besser gefallen, und Noomi Rapace ist wirklich eine gelungene Lisbeth. Verwirrt hat mich jedoch das Ende. Nachdem Lisbeth ihren Vater halbtot geschlagen hat und sich selber kaum rühren kann, taucht ihr Bruder Roland auf. Dieser sieht sie an und haut dann ab. Warum? Zumal er im dritten Film einen ziemlichen Hass auf Lisbeth zu hegen scheint, hat es in meinen Augen keinen Sinn, dass er sie in diesem Moment verschont. Im Buch ist es so, dass Roland Angst vor der Dunkelheit bzw. Fantasien von dunklen Gestalten hat, die ihn verfolgen. Diese bewegen ihn dazu, zu flüchten, anstatt Lisbeth weiter zu verfolgen. Seine Motive bleiben also im Film völlig unklar. Der Film ist ganze 20 Minuten kürzer als Teil 1 und 3, und ich hätte mir etwas mehr Zeit gewünscht. Da ich jetzt alle Bücher kenne, bin ich im Vorteil. Doch ich frage mich, ob jemand, der keines der Bücher gelesen hat, der Handlung so gut folgen kann. Alle wichtigen Geschehnisse aus dem Buch passieren auch, doch fehlte mir da oft ein bisschen Hintergrund, warum die Personen jetzt plötzlich an einem bestimmten Ort sind.


Vergebung




Dieser Teil hat mir am wenigsten gefallen. Lediglich die an sich gute Story konnte den Film noch retten.
Ich hatte wieder das Gefühl, dass man sich einerseits an das Buch halten wollte, es aber nicht geschafft hat, alles in einen Film zu packen, sodass manche Szenen überhaupt nicht richtig zusammenpassen und viel offen bleibt. Ich habe zum Beispiel nicht mitbekommen, dass Björck ermordet bzw. aufgefunden wurde. Es wurde nur später erwähnt, dass er tot sei. Ich habe allerdings bei dem Film nicht richtig aufgepasst, weil ich ihn nicht sonderlich spannend fand, deswegen habe ich vielleicht auch was verpasst.
Wozu den Teil mit Erikas Stalker einführen, wenn er gar nicht richtig aufgelöst wird? Vielleicht habe ich wieder etwas verpasst, aber ich glaube, die Drohbriefe stammen von der Sektion und sollen Millennium weiter einschüchtern. Fand ich doof, dass auf diesem Wege weitere Konflikte aufgebaut werden sollten, anstatt das ganz einfach rauszulassen (zumal ich diesen Handlungsstrang auch im Buch eher überflüssig fand).
Sehr gut gelungen fand ich die Gerichtsverhandlung von Lisbeth, wobei ich mir gewünscht hätte, diese noch etwas länger zu halten, einfach weil sie so toll im Buch geschildert war! Zum Glück sind aber viele Dialoge übernommen worden, sodass diese Szenen echt sehr aufregend und amüsant waren!



Fazit
Ich finde ganz gut, dass ich die schwedischen Filme jetzt mal gesehen habe, ich bin aber kein großer Fan und werde sie mir nicht unbedingt noch einmal angucken wollen.
Stattdessen hoffe ich, dass es doch noch eine Fortsetzung unter David Fincher geben wird. Atmosphärisch und inhaltlich fand ich dessen Verblendung einfach besser gelungen.

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