Dienstag, 22. April 2014

Ken Follett: Die Nadel



April 1944. 
Vor der schottischen Küste wartet ein deutsches U-Boot auf einen Spion. Man nennt ihn 'Die Nadel'. Er hat bereits viermal getötet. Zwischen ihm und seinem Erfolg steht nur noch Rose, eine junge Engländerin. Doch wie soll eine einsame Frau, hin- und hergerissen zwischen Pflicht und lange verdrängter Leidenschaft, einem Mann widerstehen, der zu allem bereit ist, um sein Ziel zu erreichen?



Der zweite Weltkrieg: Die Engländer planen den D-Day. Wenn ihre Invasion gelingt, könnten sie den Krieg für sich entscheiden. Doch dazu ist ein großes Täuschungsmanöver nötig, welches die Deutschen vom eigentlichen Ziel, der Normandie, weglotsen soll. Die Scharade ist groß: falsche Funksprüche, mit Luft gefüllte Panzer und Stützpunkte aus Holz und Müll gebaut, welche von oben wie echt aussehen. Allerdings gibt es einen Mann, der das gesamte Vorhaben zunichte machen könnte. Die Nadel ist der beste Spion des Dritten Reiches, und er konnte hinter die Scharade blicken. Während er versucht, die Beweismittel nach Deutschland zu überführen, beginnt eine Verfolgungsjagd, welche den Krieg entscheiden könnte.

Ken Follett kannte ich bisher nur von seinen beiden großen Werken Die Säulen der Erde und Die Tore der Welt. Deswegen war ich besonders gespannt, ob er sich ebenso souverän in der neueren Geschichte bewegen würde. Diesbezüglich hat mich Follett nicht enttäuscht. Er schafft es mit Leichtigkeit, die passende Stimmung zu erzeugen und im Leser eine Vorstellung von der Weltkriegsstimmung zu vermitteln. Dabei schafft er es außerdem, nicht zu bewerten. Geschildert wird die Handlung aus unterschiedlichen Blickwinkeln: Der deutsche Spion 'Die Nadel', die einsame Lucy, Polizist Fred Blogg oder Einsicht aus dem Bunker Hitlers. Alles ist dabei vertreten, und in den Figuren werden die einzelnen Standpunkte deutlich. Die Engländer wollen die Deutschen vernichten, und andersherum verhält es sich natürlich genauso. Doch Follett zeigt dabei nicht mit dem Finger auf die bösen Deutschen. Er stellt die beiden Fronten als zwei Seiten dar, die miteinander Krieg führen. Wer Recht hat oder nicht, wird nicht zum Thema gemacht, und das hat mir echt gut gefallen.

Der Roman geizt nicht mit Spannung. Es gibt kaum Seiten zum Durchatmen und gleichzeitig ist der Roman nicht so spannungsgeladen, dass die Actionszenen mit der Zeit nerven. Meiner Meinung nach hat Follett diese Szenen sehr gekonnt eingesetzt. Das Buch liest sich wie ein spannender Thriller im Fernsehen.

Ich hatte leider ein kleines Problem mit den Figuren im Buch. Mit keinem konnte ich so wirklich mitfühlen. Sie sind alle ein bisschen kalt und fern geblieben, was bei Henry Faber, der Nadel, aufgrund seiner Rolle verständlich ist. Doch auch bei den anderen hatte ich nicht wirklich das Gefühl, sie zu "kennen". Das fand ich etwas schade.

So bleibt mir zu sagen, dass diese 400 Seiten Hochspannung en masse enthalten, dabei aber nicht die Nerven des Lesers überstrapazieren. Der Roman ist superspannend, hat aber leider etwas flache Figuren.

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