Montag, 28. Oktober 2013

Jonathan Safran Foer: Tiere Essen





›Tiere essen‹ ist ein leidenschaftliches Buch über die Frage, was wir essen und warum. Als Jonathan Safran Foer Vater wurde, bekamen seine Fragen eine neue Dringlichkeit: Warum essen wir Tiere? Würden wir sie auch essen, wenn wir wüssten, wo sie herkommen?
Foer stürzt sich mit Leib und Seele in sein Thema. Er recherchiert auf eigene Faust, bricht nachts in Tierfarmen ein, konsultiert einschlägige Studien und spricht mit zahlreichen Akteuren und Experten. Vor allem aber geht er der Frage auf den Grund, was Essen für den Menschen bedeutet. (amazon)




Jonathan Safran Foer ist mir bekannt als Autor von "Extremly Loud and Incredibly Close" und "Everything is Illuminated", Bücher, die mich umgehauen haben. Dies geschah nicht nur durch den Inhalt und die Tiefe der Figuren, sondern vor allem durch den Schreibstil. Ich glaube, nach meinem Geschmack könnte Foer selbst Scheiße zu Gold machen.
Aus diesem Grunde war ich sehr gespannt auf "Tiere Essen", nach meinem Wissen sein erstes Sachbuch.

Das Buch ist abwechslungsreich geschrieben: Foer erzählt aus seiner Kindheit, von seinem Alltag und seinen Besuchen bei verschiedenen Farmen. Außerdem führt er viele Statistiken und Zahlen an, und auch ein selbst angelegtes Lexikon darf nicht fehlen. Das macht den Text erstmal sehr angenehm zu lesen, auch wenn der Inhalt es keinesfalls ist.

Foer spricht hauptsächlich von den Zuständen der Massentierhaltung in den USA. Schön ist, dass es im Anhang der deutschen Ausgabe auch Informationen über die Lage hier gibt (welche sich in den meisten Fällen kaum von denen in den USA unterscheidet).

Ich bin froh, dass Foer nicht zu viel den Moralapostel gespielt hat. Er mag Fleisch, isst es aber aus Überzeugung nicht mehr. Er erzählt von den Gräueltaten auf den Schlafthöfen und in den Mastbetrieben und natürlich wird seine Intention damit deutlich. Er geht aber nicht mit dem erhobenen Finger daher und verurteilt jeden, der anderer Meinung als er ist. Er gibt dem Leser eine Chance, sich eine eigene Meinung zu bilden. Gut finde ich außerdem, dass er Alternativen aufzeigt: Farmen, welche ohne Massentierhaltung auszukommen versuchen und den Tieren ein möglichst angenehmes Leben verschaffen wollen. Gleichzeitig sagt er zwar, dass auch diese der Fleischindustrie unterstehen und auf die Dauer keine Lösung sind, wenn man die Behandlung der Tiere verbessern will. Aber er zeichnet nicht zu viel Schwarz und Weiß.

Das einzige, was mir nicht so gut gefallen hat, ist die Struktur des Buches. Es scheint nämlich kaum eine zu geben. Foer beginnt zwar mit seinem Auslöser, warum er kein Fleisch mehr isst, aber danach ist der Aufbau wahllos. Mal erzählt er aus seinem Leben, mal gibt es Interviews mit Leuten von PETA oder Arbeitern in einem Mastbetrieb. Auch das Ende ist für mich leider kein Ende. Zwar gibt es dort einen Appell, aber irgendwie fehlt da auch etwas. Für mich war es etwas abrupt.
Aber das hat im Grunde genommen nicht allzu sehr gestört.

Wer sich mit dem, was er isst, auseinandersetzen möchte, dem ist dieses Buch sehr zu empfehlen. Ohne zu viel zu verurteilen werden die Zustände in der Massentierhaltung dargestellt und bringen hoffentlich jeden dazu, über seine Essgewohnheiten nachzudenken. Mir ist beim Lesen des Öfteren übel geworden. Und ja, ich bin wieder Vegetarier.

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